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5-Minuten-Info

NRW lässt sich nicht verkohlen

Kohlekraftwerk

In Nordrhein-Westfalen steht derzeit unser Klima auf dem Spiel: Schon jetzt werden 44 Prozent der CO2-Zertifikate in NRW gebraucht. Darüber hinaus sind allein hier zehn neue Kohlekraftwerke in Planung oder sogar schon im Bau. Gehen sie alle ans Netz, sind die Klimaziele der Bundesregierung nicht mehr zu schaffen, wie die Leitstudie 2008 des Bundesumweltministeriums zeigt: Höchstens 9 GW neuer Kraftwerksleistung dürfen aus Kohlekraft kommen – aber alleine in NRW sind über 11 GW geplant. Um das Klima zu schützen, müssen wir den Energiekonzernen bei ihren Planungen einen Strich durch die Rechnung machen!

Als nächstes wird in NRW über ein gigantisches Kraftwerk in Krefeld entschieden. Unterzeichnen Sie den Appell gegen diesen Klima-Killer!

Inhalt:

Kohlekraftwerk

Kohlekraft: Eine Dinosaurier-Technologie

Mit einem weiteren Zubau von Kohlekraftwerken setzen die Energiekonzerne auf eine Dinosaurier-Technologie:

  • Die Verbrennung von Kohle ist die klimaschädlichste Form der Stromerzeugung: Für jede mit Braunkohle hergestellte Kilowattstunde Strom wird bei Neuanlagen 950 Gramm CO2 freigesetzt. Kommt Steinkohle zum Einsatz, entstehen immer noch 750 Gramm, mit Erdgas hingegen lediglich 350 Gramm. Deutschland ist seit über 100 Jahren der größte Braunkohleverstromer weltweit (mehr bei wir-klimaretter.de).
  • Die geplanten Anlagen nutzen nur etwas mehr als 40 Prozent der Energie, die in der Kohle steckt. Deutlich über die Hälfte der Energie geht als Abwärme verloren. Moderne Gas- und Dampf­turbinenanlagen erzielen einen Wirkungsgrad von 58 und mehr Prozent. Kommen dezentrale Heizkraftwerke mit Kraft-Wärme-Kopplung zum Einsatz, lassen sich sogar mehr als 90 Prozent der Brennstoffenergie nutzen. Denn bei diesen kann die Abwärme zum Heizen oder als Prozesswärme in der Industrie genutzt werden.
  • Großkraftwerke auf Basis von Kohle oder Uran lassen sich in ihrer Leistung nicht flexibel auf die wetterbedingt schwankende Stromerzeugung aus Wind und Sonne anpassen. Dies gelingt nur mit gut regelbaren Gaskraftwerken. Kohlekraftwerke verhindern damit den Übergang zu einer dezentralen Energieversorgung und begrenzen den Ausbau Erneuerbarer Energien. Die Zukunft liegt in einer dezentralen Stromerzeugung aus Erneuerbaren Energien, die übergangsweise durch hocheffiziente Kraftwerke mit Kraft-Wärme-Kopplung ergänzt wird.
Kohlekraftwerk

Kohlelobby: Viel heiße Luft

Die Kohlelobby behauptet, mit neuen Kohlekraftwerken würde bald kein CO2 mehr in die Atmosphäre freigesetzt. Deutschland werde bei seiner Energieversorgung unabhängig. Einige argumentieren, nur mit neuen Kohlekraftwerken sei der Atomausstieg möglich (mehr zur Lobbyoffensive bei klima-luegendetektor.de). Diese Argumente halten einer Prüfung nicht stand:

  1. CO2-freie Kraftwerke nur Wunschvorstellung
    Viel diskutiert werden Verfahren zur Abtrennung und Einlagerung von CO2 (Carbon Capture & Storage, CCS). Doch diese Technologien befinden sich erst in der Entwicklungs- oder Testphase: Ihre Realisier­barkeit ist offen. Selbst nach den Behauptungen der Energie­konzerne ist mit einer Marktreife früh­estens 2020 zu rechnen (mehr bei wir-klimaretter.de). Auf Basis von Wunschdenken darf der Neu­bau von Kohlekraftwerken nicht beschlossen werden.
  2. Kohle garantiert keine Versorgungssicherheit
    Ein großer Teil der neuen Kraftwerke soll mit Stein­kohle betrieben werden. Der hiesige Abbau läuft aber 2018 aus, so dass Deutschland dann von Stein­kohleimporten so abhängig sein wird wie von Erdgasimporten. Langfristig kann Versorgungssicherheit am besten durch den konse­quenten Umstieg auf Erneuerbare Energien gewährleistet werden (mehr bei Eurosolar).
  3. Atomausstieg weiter möglich
    Für den Ausstieg aus der Atomkraft ist der Neubau von Kohlekraftwerken nicht notwendig. Die mit Atomkraft produzierte Strommenge kann durch den Zubau hocheffizienter Gaskraftwerke, die Strom und Wärme gleichzeitig bereitstellen, durch Erneuerbare Energien und mehr Energieeffizienz ersetzt werden (Studie der DUH / Studie Umweltbundesamt bei wir-klimaretter.de). Die Verlängerung der Laufzeiten oder gar der Neubau von Atomkraftwerken als Alternative zur Kohlekraft scheidet auf Grund der unkalkulierbaren Sicherheitsrisiken und der ungelösten Entsorgung des nuklearen Abfalls aus.
Kohlekraftwerk

Kraftwerk Krefeld: Die Planungen

Kurz vor der Entscheidung steht derzeit ein neues gigantisches Steinkohlekraftwerke im Chemiepark Krefeld-Uerdingen. Die Anlage soll vom Stadtwerkeverbund Trianel und dem Betreiber des Chemieparks Currenta betrieben werden. Sie würde jedes Jahr rund 5,2 Millionen Tonnen des Klimagases Kohlendioxid produzieren – mehr als zur Zeit die ganze Stadt ausstößt. Nur wenn zu Spitzenzeiten auch der Dampf aus den Kesseln verwendet werden kann, schafft es das Kraftwerk, 60 Prozent der Energie sinnvoll zu nutzen – 40 Prozent oder mehr heizen den Rhein und vor allem das Klima auf.

Aus guten Gründen dagegen: Der Rat der Stadt Krefeld

Im März 2007 sprach sich der Rat der Stadt Krefeld mit einer breiten Mehrheit von CDU, SPD und Grünen gegen das neue Kohlekraftwerk aus. Später schuf er eine baurechtliche Veränderungssperre, die das Kraftwerk verhindern sollte. Die Gründe dafür überzeugen:

  • Der Klimawandel kann nur gestoppt werden, wenn der Ausstoß von Kohlendioxid auch in der Stromerzeugung massiv reduziert wird.
  • Um zwei ältere Dampfkessel zu ersetzen, muss kein mehr als sieben mal größeres Kraftwerk gebaut werden – die Arbeitsplätze im Chemiepark bleiben auch so erhalten.
  • Schon jetzt gelten Krefeld und das angrenzende Duisburg als Schwerpunkte der Feinstaubbelastung in der Bundesrepublik. Das geplante Kraftwerk würde jährlich 400 Tonnen Staub und tonnenweise Schadstoffe wie Schwermetalle und radioaktive Elemente ausstoßen.
  • Die verwendete Kohle käme aus Australien, Südafrika oder Kolumbien, wo sie teilweise unter fragwürdigen sozialen Bedingungen abgebaut wird.
  • Würde statt des Kohlekraftwerks ein angepasstes und wärmereguliertes Gas- und Dampfturbinenkraftwerk errichtet werden, würde dieses einen Wirkungsgrad von bis zu 90 Prozent erzielen. Der Ausstoß von Kohlendioxid und Schadstoffen wäre deutlich geringer.

An der Frage des Steinkohlekraftwerks entzündete sich innerhalb der SPD jedoch schnell eine Debatte um die Arbeitsplätze im Chemiepark: Bundesumweltminister Sigmar Gabriel reiste im Oktober 2007 extra zu einem lokalen Sonderparteitag an, um sich für den Kohlemeiler stark zu machen. Obwohl sich sein Staatssekretär Michael Müller öffentlich gegen ein neues Kohlekraftwerk am Unterrhein aussprach, stimmte der Minister die Genossen um. Die SPD-Krefeld setzte sich fortan für den Klima-Killer ein.

Kohlekraftwerk

CDU will Investitionen statt Klimaschutz

Ende 2008 gab dann auch die CDU ihre Bedenken gegen das Steinkohlekraftwerk auf, um sich dem Vorwurf zu entziehen, eine Investition im Umfang von einer Milliarde Euro in Krefeld zu blockieren. Die Ratsfraktion machte ihre Zustimmung zum Bau des Kohlekraftwerks unter anderem davon abhängig, auf welchem Weg die Kohle zum Chemiepark gelangt. Als zentrale Forderungen stellte die Fraktion auf, dass der Brennstoff in einem neu zu bauenden Terminal des Krefelder Hafens angelandet und Kohlelager und Transportweg zum Kraftwerk vollständig eingehaust werden.

Beide Bedingungen wollen die Investoren zähneknirschend erfüllen und der Rat hat bereits die Stadtverwaltung beauftragt, in diesem Fall den Weg für das Kohlekraftwerk frei zu machen. Doch damit ist die letzte Entscheidung nicht gefallen: Der Stadtrat hat es weiter in der Hand, ob die baurechtlichen Voraussetzungen für den Klima-Killer geschaffen werden – oder Klimaschutz und saubere Luft am Niederrhein Vorrang haben. Ende August finden in Nordrhein-Westfalen Kommunalwahlen statt – jetzt stehen die Politiker/innen besonders unter Beobachtung.

Appellieren Sie an den Krefelder Rat und die Kandidat/innen der Parteien, sich für Klimaschutz und gegen Schwermetalle und Feinstäube in der Luft auszusprechen! Fordern Sie Zukunft statt Kohle!

Frequently Asked Questions zum Appell gegen Kohlekraftwerke

Warum machen Sie eine Kampagne gegen Kohlekraftwerke, auch wenn die Atomkraft eigentlich viel gefährlicher ist?

Die Risiken von Atomkraftwerken sind kaum kontrollierbar. Sie produzieren Müll, der für 100.000 Jahre sicher gelagert werden muss - was technisch nahezu unmöglich ist, wie die einstürzende Asse zeigt. Daher machen wir auch gegen eine Renaissance der Atomkraft machen wir Kampagnen. Doch Kohlekraftwerke gefährden ebenso unsere Zukunft: Sie stoßen Millionen von Tonnen von Kohlendioxid aus, ein Klimagas, das nach verbreiteter wissenschaftlicher Meinung dazu beiträgt, das Klima zu verändern. Hinzu kommen Feinstäube und Schwermetalle, die mit den Abgasen in die Atemluft gelangen und auch direkt die Gesundheit von Menschen und Umwelt bedrohen.

Kohlekraftwerke, die jetzt gebaut werden, produzieren für die nächsten 40 Jahre Strom und Kohlendioxid. Sie zementieren eine zentral aufgebaute Stromproduktion, die die Vorteile nicht nutzen kann, die Erneuerbare Energien und dezentrale und hocheffiziente Gaskraftwerke bieten. Damit verhindern neue Kohlekraftwerke den Umstieg auf Erneuerbare Energien.

Sie schreiben in ihrem Newsletter, aus den Kraftwerken kämen Rauchsäulen, dabei ist das nur Wasserdampf und der ist nicht klimaschädlich, oder?

Es stimmt, dass die Wolken, die von Kohlekraftwerken in den Himmel steigen, aus Wasserdampf bestehen. Wasserdampf an sich ist nicht schädlich für das globale Klima, auch wenn die Wolkenbildung das lokale Klima verändert: Die Wolken verringern vor Ort die Sonnenscheindauer um bis zu 20 Prozent und im Winter kann so genannter Industrieschnee fallen. Die anderen Abgase aus Kohlekraftwerken - wozu auch das klimaschädliche Kohlendioxid und die schwermetallbelasteten Stäube gehören - werden bei modernen Kraftwerken erst gereinigt, wodurch sie unsichtbar werden. Dann werden sie mit über die Kühltürme abgeleitet. Daher ist das, was sichtbar von den Kraftwerken aufsteigt, ein Gemisch aus ungefährlichem Wasserdampf und den klima- und gesundheitsgefährlichen Abgasen.

Gibt es keine Technologien, um das CO2 aus den Kraftwerken aufzufangen, so dass es nicht das Klima beeinflusst?

Das so genannte Carbon Capture and Storage-Verfahren (CCS) wird von den großen Energiekonzernen häufig angeführt, um die Ungefährlichkeit ihrer Kohlekraftwerke zu belegen. Dabei kann CCS bisher noch nicht wirtschaftlich eingesetzt werden, denn der Energieaufwand für die Abtrennung und Speicherung des CCS ist sehr hoch. Zudem ist nicht sicher, ob das verflüssigte Kohlendioxid überhaupt sicher gelagert werden kann. Die Energiekonzerne dürfen nicht jetzt mit dem Hinweis auf eine noch nicht erforschte Technologie Fakten für die nächsten Jahrzehnte schaffen.

Haben Sie schon unseren Appell gegen einen neuen Klima-Killer in Krefeld unterzeichnet?

Fordern Sie vom Krefelder Stadtrat, sich für Klimaschutz und saubere Luft zu entscheiden!

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