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In Nordrhein-Westfalen steht derzeit unser Klima auf dem Spiel: Schon jetzt werden 44 Prozent der CO2-Zertifikate in NRW gebraucht. Darüber hinaus sind allein hier zehn neue Kohlekraftwerke in Planung oder sogar schon im Bau. Gehen sie alle ans Netz, sind die Klimaziele der Bundesregierung nicht mehr zu schaffen, wie die Leitstudie 2008 des Bundesumweltministeriums zeigt: Höchstens 9 GW neuer Kraftwerksleistung dürfen aus Kohlekraft kommen – aber alleine in NRW sind über 11 GW geplant. Um das Klima zu schützen, müssen wir den Energiekonzernen bei ihren Planungen einen Strich durch die Rechnung machen!
Als nächstes wird in NRW über ein gigantisches Kraftwerk in Krefeld entschieden. Unterzeichnen Sie den Appell gegen diesen Klima-Killer!
Inhalt:
Mit einem weiteren Zubau von Kohlekraftwerken setzen die Energiekonzerne auf eine Dinosaurier-Technologie:
Die Kohlelobby behauptet, mit neuen Kohlekraftwerken würde bald kein CO2 mehr in die Atmosphäre freigesetzt. Deutschland werde bei seiner Energieversorgung unabhängig. Einige argumentieren, nur mit neuen Kohlekraftwerken sei der Atomausstieg möglich (mehr zur Lobbyoffensive bei klima-luegendetektor.de). Diese Argumente halten einer Prüfung nicht stand:
Kurz vor der Entscheidung steht derzeit ein neues gigantisches Steinkohlekraftwerke im Chemiepark Krefeld-Uerdingen. Die Anlage soll vom Stadtwerkeverbund Trianel und dem Betreiber des Chemieparks Currenta betrieben werden. Sie würde jedes Jahr rund 5,2 Millionen Tonnen des Klimagases Kohlendioxid produzieren – mehr als zur Zeit die ganze Stadt ausstößt. Nur wenn zu Spitzenzeiten auch der Dampf aus den Kesseln verwendet werden kann, schafft es das Kraftwerk, 60 Prozent der Energie sinnvoll zu nutzen – 40 Prozent oder mehr heizen den Rhein und vor allem das Klima auf.
Im März 2007 sprach sich der Rat der Stadt Krefeld mit einer breiten Mehrheit von CDU, SPD und Grünen gegen das neue Kohlekraftwerk aus. Später schuf er eine baurechtliche Veränderungssperre, die das Kraftwerk verhindern sollte. Die Gründe dafür überzeugen:
An der Frage des Steinkohlekraftwerks entzündete sich innerhalb der SPD jedoch schnell eine Debatte um die Arbeitsplätze im Chemiepark: Bundesumweltminister Sigmar Gabriel reiste im Oktober 2007 extra zu einem lokalen Sonderparteitag an, um sich für den Kohlemeiler stark zu machen. Obwohl sich sein Staatssekretär Michael Müller öffentlich gegen ein neues Kohlekraftwerk am Unterrhein aussprach, stimmte der Minister die Genossen um. Die SPD-Krefeld setzte sich fortan für den Klima-Killer ein.
Ende 2008 gab dann auch die CDU ihre Bedenken gegen das Steinkohlekraftwerk auf, um sich dem Vorwurf zu entziehen, eine Investition im Umfang von einer Milliarde Euro in Krefeld zu blockieren. Die Ratsfraktion machte ihre Zustimmung zum Bau des Kohlekraftwerks unter anderem davon abhängig, auf welchem Weg die Kohle zum Chemiepark gelangt. Als zentrale Forderungen stellte die Fraktion auf, dass der Brennstoff in einem neu zu bauenden Terminal des Krefelder Hafens angelandet und Kohlelager und Transportweg zum Kraftwerk vollständig eingehaust werden.
Beide Bedingungen wollen die Investoren zähneknirschend erfüllen und der Rat hat bereits die Stadtverwaltung beauftragt, in diesem Fall den Weg für das Kohlekraftwerk frei zu machen. Doch damit ist die letzte Entscheidung nicht gefallen: Der Stadtrat hat es weiter in der Hand, ob die baurechtlichen Voraussetzungen für den Klima-Killer geschaffen werden – oder Klimaschutz und saubere Luft am Niederrhein Vorrang haben. Ende August finden in Nordrhein-Westfalen Kommunalwahlen statt – jetzt stehen die Politiker/innen besonders unter Beobachtung.
Appellieren Sie an den Krefelder Rat und die Kandidat/innen der Parteien, sich für Klimaschutz und gegen Schwermetalle und Feinstäube in der Luft auszusprechen! Fordern Sie Zukunft statt Kohle!
Die Risiken von Atomkraftwerken sind kaum kontrollierbar. Sie produzieren Müll, der für 100.000 Jahre sicher gelagert werden muss - was technisch nahezu unmöglich ist, wie die einstürzende Asse zeigt. Daher machen wir auch gegen eine Renaissance der Atomkraft machen wir Kampagnen. Doch Kohlekraftwerke gefährden ebenso unsere Zukunft: Sie stoßen Millionen von Tonnen von Kohlendioxid aus, ein Klimagas, das nach verbreiteter wissenschaftlicher Meinung dazu beiträgt, das Klima zu verändern. Hinzu kommen Feinstäube und Schwermetalle, die mit den Abgasen in die Atemluft gelangen und auch direkt die Gesundheit von Menschen und Umwelt bedrohen.
Kohlekraftwerke, die jetzt gebaut werden, produzieren für die nächsten 40 Jahre Strom und Kohlendioxid. Sie zementieren eine zentral aufgebaute Stromproduktion, die die Vorteile nicht nutzen kann, die Erneuerbare Energien und dezentrale und hocheffiziente Gaskraftwerke bieten. Damit verhindern neue Kohlekraftwerke den Umstieg auf Erneuerbare Energien.
Es stimmt, dass die Wolken, die von Kohlekraftwerken in den Himmel steigen, aus Wasserdampf bestehen. Wasserdampf an sich ist nicht schädlich für das globale Klima, auch wenn die Wolkenbildung das lokale Klima verändert: Die Wolken verringern vor Ort die Sonnenscheindauer um bis zu 20 Prozent und im Winter kann so genannter Industrieschnee fallen. Die anderen Abgase aus Kohlekraftwerken - wozu auch das klimaschädliche Kohlendioxid und die schwermetallbelasteten Stäube gehören - werden bei modernen Kraftwerken erst gereinigt, wodurch sie unsichtbar werden. Dann werden sie mit über die Kühltürme abgeleitet. Daher ist das, was sichtbar von den Kraftwerken aufsteigt, ein Gemisch aus ungefährlichem Wasserdampf und den klima- und gesundheitsgefährlichen Abgasen.
Das so genannte Carbon Capture and Storage-Verfahren (CCS) wird von den großen Energiekonzernen häufig angeführt, um die Ungefährlichkeit ihrer Kohlekraftwerke zu belegen. Dabei kann CCS bisher noch nicht wirtschaftlich eingesetzt werden, denn der Energieaufwand für die Abtrennung und Speicherung des CCS ist sehr hoch. Zudem ist nicht sicher, ob das verflüssigte Kohlendioxid überhaupt sicher gelagert werden kann. Die Energiekonzerne dürfen nicht jetzt mit dem Hinweis auf eine noch nicht erforschte Technologie Fakten für die nächsten Jahrzehnte schaffen.
Fordern Sie vom Krefelder Stadtrat, sich für Klimaschutz und saubere Luft zu entscheiden!